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Diese 10 Technologietrends muss jeder SAP Basis-Berater kennen

by John Appleby

Published on 09.17.2020

Containerisierung, Automatisierung, hybride Clouds, Playbooks und alles, was SAP Basis-Berater sonst noch wissen müssen.

Ich war nicht viel älter als 20, als ich die Leitung meines ersten SAP Basis-Teams übernahm. Die Bezeichnung SAP Basis gefiel uns nicht wirklich, weswegen wir kurzerhand auch die Bezeichnung „SAP NetWeaver Tech“ – kurz NWT – einführten.

Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert und was erwartet uns in den kommenden zehnJahren? Wie werden sie sich auf das Anforderungsprofil von SAP Basis-Experten auswirken und wie können sie sich darauf einstellen?

 

Playbooks

Ein erster wichtiger Schritt war die Einführung von Playbooks, um unsere Arbeit zu professionalisieren. Damals waren SAP-Installationshandbücher echte Wälzer mit hunderten von Seiten, die sich oft im Kreis drehten und alles andere als leicht verständlich waren..

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Wir machten uns daran, detaillierte Playbooks für alle gängigen Szenarien – Installationen, Portale, Upgrades und Migrationen – und Plattformen zu erstellen. Heute kommt kaum noch ein Beratungshaus ohne aus, in meiner Anfangszeit verschafften sie uns jedoch einen entscheidenden Vorsprung vor der Konkurrenz und brachten uns viele zufriedene Kunden ein.

Cloud

Wenn wir früher SAP-Umgebungen bereitgestellt haben, mussten wir zunächst eine detaillierte Dimensionierung und Architektur ausarbeiten und diese an das Beschaffungsteam weitergeben, das die Systeme im nächsten Schritt bestellte und im Rechenzentrum installierte. Von da ging es dann weiter zum Netzwerkteam, zum Speicherteam, zum Betriebssystemteam und zum Datenbankteam. So lagen zwischen Architekturentwurf und Installation eines neuen SAP-Systems schnell schon mal drei bis sechs Monate.

Es gab sogar einen Fall, in dem die SAP-Umgebung eine Überprüfung der Stromversorgung und Kühlung des Rechenzentrums zur Folge hatte. Die Rechenzentrumsinfrastruktur musste damals erst ausgebaut werden, bevor wir überhaupt weitermachen konnten.

Heute setzen die meisten Kunden auf eine Abstraktionsschicht für die Infrastruktur, sei es VMware oder einer der Cloud-Hypervisoren. Basis-Administratoren müssen also wissen, wie man Systeme in der Cloud bereitstellt und verwaltet.

SAP HANA

Noch vor zehn Jahren war SAP HANA nicht viel mehr als ein Versprechen, das die Augen des SAP-Vorstandsvorsitzenden Hasso Plattner zum Leuchten brachte. Kaum vorstellbar, dass alle SAP-Kunden in gerade einmal zehn Jahren ihre Oracle- und Microsoft-Datenbanken vollständig abgelöst haben werden.

Auch hier hat sich das Anforderungsprofil für SAP Basis-Experten verschoben: Datenbankadministration gehört heute einfach dazu. Die Mehrheit der SAP-Kunden legt die SAP HANA-Datenbank für den Build- und Run-Betrieb in die Hände des Basis-Teams.

Tools für SAP-Experten

Noch vor zehn Jahren gab es für SAP Basis-Experten nicht viel mehr als den SAP Solution Manager. Dabei kam dieser bei den meisten Basis-Administratoren überhaupt nur deshalb zum Einsatz, weil SAP ihnen den SolMan zum Herunterladen von Updates quasi aufzwang.

Da ist die Auswahl heute deutlich größer, unsere AIOps-Plattform Avantra, Tools zur Codebereinigung wie Panaya, Testautomatisierung mit HP Quality Center und IT Service Management mit ServiceNow sind da nur einige Beispiele. Das Ökosystem der SAP-Software-Partner erfreut sich bester Gesundheit.



Was halten die kommenden zehn Jahre bereit?

Die vergangenen zehn Jahre haben in erster Linie die Infrastruktur- und Datenbankschicht revolutioniert. Das Faszinierende dabei ist, dass es beim SAP-Installationsprogramm SAPinst in dieser Zeit kaum Veränderungen gab.

Ich bin überzeugt, dass wir über die nächsten zehn Jahre tiefgreifende Änderungen in den täglichen Arbeitsroutinen von SAP Basis-Experten sehen werden.

Tägliche Checks und Reaktionsschnelligkeit

Tägliche Checks sind bei vielen SAP-Kunden auch heute noch an der Tagesordnung; mit Avantra gehören sie der Vergangenheit an. Dabei handelt es sich um manuelle Checks, die ein Bot jeden Tag gleich hundertfach durchführen kann. Ebenso kann ein Bot Vorfälle bzw. Benachrichtigungen erstellen, wenn mal etwas schiefläuft.

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SAP-Partner haben viel Zeit darauf verwendet, den Betrieb an kostengünstigere Standorte zu verlagern, aber auch hier kann die Zeit und Kreativität der Mitarbeiter viel gewinnbringender eingesetzt werden als mit der Durchführung täglicher Checks.

Meiner Meinung nach werden alle SAP-Checks im Laufe der nächsten zehn Jahre vollständig automatisiert.

Automatisierte Bereitstellung

IT-Experten gehen mit den Einsatz von Tools wie RedHat Ansible erste Schritte in der Automatisierung. Bei uns zum Beispiel kommt Ansible für den Massen-Rollout von Agenten in großen Umgebungen zum Einsatz.

Wenn es aber um die Feinheiten großer SAP-Umgebungen geht, stößt Ansible schnell an seine Grenzen. Will man mit Ansible einfache Automatisierungen – zum Beispiel das Starten und Stoppen von SAP-Umgebungen – realisieren, muss man einen hohen manuellen Aufwand und komplizierte Skripte in Kauf nehmen.

Ich glaube, dass Unternehmen in zehn Jahren aus einer Vielzahl von Plattformen zur Multi-Cloud-Automatisierung auswählen können. In der Folge werden Installationskosten nicht mehr in die Zehntausende gehen und Migrationen und Upgrades keine Millionen mehr verschlingen.

Containerisierung

Avantra ist seit Kurzem im Google Cloud Marketplace verfügbar. Besonders erwähnt sei an dieser Stelle, dass wir hier die Bereitstellung von Avantra vollständig containerisiert haben, jede Komponente läuft also in einem separaten Container. Für die Datenbank nutzen wir Cloud SQL.

An Containern führt kein Weg vorbei und auch SAP wird sich hier schon bald umorientieren müssen und zulassen, dass der NetWeaver-Stack in Containern betrieben wird. Es deutet vieles darauf hin, dass Kubernetes den Kampf um die Vorherrschaft bei den Container-Management-Tools für sich entscheiden wird. Auch SAP hat bereits in Gardener investiert und intensiviert darüber hinaus seine Partnerschaften mit IBM und Red Hat Openshift.

Basis-Administratoren müssen sich also viel Fachwissen im Betrieb von Containern aneignen.

Hybrid Clouds

Hybride Clouds sind längst die Norm, auch wenn diese Entwicklung eher zufällig zustande gekommen ist. Die meisten Unternehmen haben sich für verschiedene Cloud-Software-Angebote entschieden und diese entsprechend integriert, sei es Workday für HCM, SalesForce für CRM, Marketo für die Marketingautomatisierung, Coupa für SRM oder Vendavo für die Preisgestaltung. Viele haben sich mit SuccessFactors, Cloud for Customer, Marketing Cloud, Ariba und CPQ auch für die SAP-Varianten dieser Lösungen entschieden.

Diese Cloud-Ressourcen werden mit den vorhandenen On-Premises-Ressourcen und Bereitstellungen auf Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform integriert. Das Ergebnis ist ein verzweigtes Netz aus Verbindungen, das in seiner Gesamtheit die Enterprise Hybrid Cloud ergibt.

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Die ideale Gelegenheit für alle Basis-Berater, die verschiedenen integrierten Tools kennenzulernen, zu erfahren, wie sie zusammenspielen und wie man Probleme beheben kann, an der gleich mehrere Clouds beteiligt sind.

Root-Cause-Analysen

Was den Einsatz von Avantra so interessant macht, ist der Wegfall von manuellen Aufwänden. Dadurch entstehen Freiräume, die SAP-Technologieteams den Aufbau neuer Kompetenzen erlauben.

SAP Basis-Administratoren verbringen immer noch einen Großteil ihrer Zeit mit der Überprüfung ihrer Systeme oder mit Projektarbeiten wie Neuinstallationen. Mit dem Übergang zu stärker automatisierten, containerbasierten Umgebungen, die sich über mehrere Clouds hinweg erstrecken, muss auch die Rolle des Administrators neu definiert werden und Ursachenanalysen werden einen weit höheren Stellenwert einnehmen.

Für Administratoren sind das sehr gute Nachrichten, denn durch Root-Cause-Analysen werden sie endlich wieder auch intellektuell gefordert.

Site Reliability Engineering

Site Reliability Engineering(SRE) ist in der Google-Welt das Äquivalent zur SAP Basis. Ben Treynor, der seit 2003 für Google tätig ist und als Pate von SRE gilt, beschreibt SRE als das „was passiert, wenn man einem Software Engineer Operations-Aufgaben überlasst“.

Betrachtet man alles, was ich im Vorfeld beschrieben habe, in seiner Gesamtheit, wird schnell klar, in welche Richtung es geht: Die SAP Basis wird sich in den kommenden zehn Jahren zunehmend in Richtung einer SRE-zentrischen Umgebung bewegen. So sieht die Zukunft von SAP aus und ich freue mich auf eine spannende Reise.



 

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